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Tobias Schwarz

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Zu meinem fünften Geburtstag schenkte mir mein Vater zwei Taschenbuchausgaben von Little Nemo eines gewissen Windsor McCay. Mir war nicht so richtig klar, warum die Kästchen so auseinander gepflückt und unscharf abgebildet waren, aber die Phantasie und die Abenteuer dieses kleinen Jungen begeisterten mich. Die Zeichnungen lebten und die Geschichten transportierten mich in eine andere Welt. Bald darauf entdeckte ich die ersten Asterix Geschichten und war den Comics damit endgültig verfallen.

Bei uns zuhause war der Fernseher meist kaputt. Ich wuchs auf in einer Welt von Büchern. Meine Eltern sind Buchautoren und waren Verleger, unser Haus gefüllt mit abertausenden Büchern. Bereits in jungen Jahren war mir klar, wie ein Buch entsteht: Manuskripte werden geschrieben und überarbeitet, gelangen zum Lithografen, Drucker und Buchbinder bevor sie zur Buchhandlung und letztendlich zum Leser kommen.

Die Visualisierungs- und Kompositionsregeln des Comics dagegen waren mir ein Rätsel. Ich fand kaum Literatur darüber und selten gleichgesinnte Künstler.

Obwohl Comics eher als “Schundliteratur” bezeichnet wurden, haben meine Eltern meine Interessen unterstützt: Ich bekam deutsche, französische und spanische Comics geschenkt.

Ich beschloss, selbst ein Comic Magazin zu veröffentlichen, verkaufte erste Comic Strips und Illustrationen an lokale Zeitungen und suchte weiterhin nach gleichgesinnten Künstlern und einer Ausbildung in dem Bereich.

Wie das Leben so spielt, landete ich an der Hochschule der Künste (HdK) in Berlin. Und in Berlin fing meine Zukunft an – der neue Asterix Zeichentrickfilm sollte hier entstehen. Mit einem Stapel Zeichnungen stand ich eines Tages uneingeladen vor der Tür dieses Trickfilm Studios. Der Regisseur sah meine Zeichnungen und stellte mich als Zauberlehrling (wirklich, so hieß es!) ein.

Ein neues Universum öffnete sich für mich. Zu meinem Erstaunen entdeckte ich, dass Windsor McCay einen der ersten Zeichentrickfilme schuf, und dass sich die narrative Form von Film und Comic in vielen Bereichen überschneidet.

Von Berlin ging die Reise nach Dublin, in die USA, nach Australien, Kanada und wieder zurück nach Deutschland. Seit über 20 Jahren arbeite ich nun als Trickfilmzeichner, 3D-Animator, Story Artist, Comic-Zeichner und Illustrator für Kunden rund um die Welt (z.B. für LaRoche, Medlinq, Sullivan Bluth Ireland, 20thCentury Fox & Universal Studios USA sowie für Walt Disney Feature Animation Australia an Animationsfeatures wie Anastasia, Titan A.E., Bambi 2,Tarzan II, Peter Pan II, The Three Musketeers, Curious George, Nocturna, Illusionist, Dodo etc.).

Unterrichtet habe ich bisher interne Fortbildungskurse für Aktzeichnen, Story und Animation bei 20th Century Fox, Walt Disney Animation und Vanguard Films.

Aktuelle Arbeiten veröffentliche ich auf meinem Blog www.tobitoon.blogspot.com

Künstler, die in der Comic-Industrie arbeiten, haben mit der Comicademy endlich eine Möglichkeit, auch im deutschsprachigen Raum eine fundierte Ausbildung zu absolvieren. Ich bin begeistert, einen Teil dazu beizutragen.